So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – Es ist soweit !  Unser Beitrag

Nahrungsgewinnung in der Fjällregion

 

Die Art wie wir uns ernähren,

ist auch sehr stark mit der Frage verbunden, wie wollen wir Nahrung herstellen

oder erzeugen.

Hierbei lassen wir uns ungern

von Modetrends leiten,

sondern stellen auch hier die Frage :

Was ist mit der geringsten Störung

des Erdsystems bei uns vor Ort möglich.

 

Exkurs : Das betreffende Wort heißt Lebensmittel. Es besagt, dass ich Mittel zum Leben brauche. Daher ist es meiner Meinung nach nicht notwendig, diese in Bio, Vegan usw.  aufzuteilen und sie dadurch in Klassen der Gesundheit / Wertigkeit einzustufen. Sondern wir sollten durch unsere Gesetzgebung sicherstellen, dass Nahrung dem gesunden Lebenserhalt dient und nachhaltig angebaut wird. Das wäre dann ein allgemeingültiger gesellschaftlicher Auftrag / Ansatzpunkt von zielgerichteter Demokratie.

 

wir leben nun in der Fjällregion

Im Allgäu war es ohne großen Aufwand möglich, Lebensmittel anzubauen / zu erzeugen.

2/3 von Gemüse / Obst und 100 % der Fleischerzeugung in der Selbstversorgung waren ohne Anstrengung in einem so fruchtbaren Land leicht für uns zu erreichen.

 

Hier in der Fjällregion hingegen ist es schwierig, Lebensmittel zu pflanzen und sie zur Reife zu bringen.

Die Vegetationsstufen des Fjälls werden in verschiedene Stufen eingeteilt. Obere  / Mitelere / Untere und die Subalpine Stufe. Wir leben an der Grenze zur Subalpinen Stufe.

Die anderen Landflächen Schwedens werden in acht Wachstumszonen eingeteilt. Wobei die Zone eins die fruchtbarste Zone ist, die Zone acht die mit dem wenigsten Ertrag zugeordnet ist.

Wir leben in der achten Zone und an der untersten Fjällgrenze. Ebenfalls leben wir im Wald ( wenig Licht ), direkt am Fluß

( Teile unseres Grundstückes werden nach der Schneeschmelze überflutet) und die frostfreie Zeit beträgt meist nur drei Monate.

Erschwerend dazu starker Wind und heftiger Niederschlag.

Alles zusammen nicht gerade Ideal zum Anbau von Gemüse.

 

Da aber jedes Gemüse vor Ort erzeugt und ohne Hilfsmittel wie geheiztes Gewächshaus angebaut wird, verringert dieses deutlich unseren Co2 Fußabdruck beim Transport und der Erzeugung. Wir bringen verschiedene Salate, Grünkohl, Spinat, Mangold, Radieschen, Rhabarber und die Kartoffel zur Ernte. Aber selbst dazu bedarf es einiger Erfahrung. Dazu einige Informationen.

Wir scheiterten mit Kohl, Tomaten und Sonnenblume.

Ebenfalls war der Versuch, Pilze zu kultivieren wegen des Pilz-Wurzel-Verhältnis / Mykorrhiza gescheitert.

Aber Anbau ist als Begriff zu kurz gefasst. Die Natur als Umwelt ist überall dominant. Es ist eher ein Miteinander.

Wir bauen Bienenweide an, für unsere Hummeln. Wir lieben ihr Brummen.

Die Eichhörnchen bauen lieber " ihre " Sonnenblumenkerne da an,

wo wir Anderes wollten.

Der Elch liebt die frischen Himbeertriebe und kleine Motten lieben unsere Kohlanbauversuche bereits als Trieb.

Der Bär mag wie wir Blaubeere.

Die wenigen reifen Erdbeeren finden die Waldameisen ebenso interessant wie wir.

Rehe leben im Winter am Haus und möchten Futter.

Viele Vogelarten schätzen unsere Futterstellen und bereichern unser Leben.

Somit nähren / bauen wir also auch unseren Seelenzuwachs.

 

Anbau am Fluss

Wie oben bereits erwähnt, tritt der Fluss nach der Schneeschmelze hoch über die Ufer. Ackerland in Bodenhöhe würde sofort weggeschwemmt werden.

Wir bauen also " Hoch " um unsere Beete zu schützen.

Trotzdem kommt es vor, dass unsere Hochbeete überflutet werden.

Dann braucht es Zeit bis das Wasser zurückweicht

und unsere Hochbeete durchtrocknen.

Die Aussaat ist also sehr stark vom Wasserkreislauf abhängig.

Zur Ernte kommen: Radieschen, Grünkohl, Mangold, Spinat, roter Salat.

 

Anbau am Haus

In der Nähe des Hauses ist es bei uns am wärmsten.

Wir nutzen die Hauswände als Windschutz / Wärmespeicher.

Unsere " Gartensaison " beginnt meist Anfang / Mitte Mai mit dem Freilegen vom Schnee. Ab Mitte Juni  bauen wir in drei verschiedenen Höhen

( Boden / Niederes Hochbeet / und die hohen Wandkästen )

meist Salate an. Damit bieten wir ihnen, obwohl alles gleichzeitig zur Aussaat kommt, drei verschiedene Wärmezonen ,

 in denen meist nur eine zum Wachstum führt.

Ebenfalls laufen Versuche, ein milderes " Klima " durch Glaskästen zu erzeugen.

Zur Ernte kommen: Schnittlauch, verschiedene Salatsorten, Minze, Schwarze und rote Johannisbeere, Himbeere, mit etwas Glück Erbsen, Erdbeere und Sonnenblume.

Ps.  Sogar die Brennnessel gedeiht hier nur mit Pflege.

 

Anbau im Wald

Neu sind unsere Versuche des Waldanbaus.

Hier suchen wir gezielt nach Stellen mit viel Sonneneinstrahlung.

Dort taut der Schnee schneller, es ist also früher " Warm ".

Wir bauen auf kleinen Flächen an, meist in geschlossenen Kästen

mit wenig Abflussmöglichkeien für Wasser.

Denn unser Waldboden mit sehr wenig Humus saugt das Wasser weg.

Zur Ernte kommen: Feldsalat, Kartoffel, Spinat, Mangold

 

Ergänzt wird unsere Ernährung durch die Natur, wir pflücken Pilze und Beeren.

Hier in dieser Region brauchen wir viel Energie, um unsere Körper warm zu halten. Deshalb reicht eine pflanzliche Ernährung ( unter Betrachtung der Co2 Neutralität ) hier nicht aus, sondern wird ebenfalls durch die Natur als Fleisch

( hier leben Elch, Rentier, Fisch ) vor Ort ergänzt.


Kompost / Humusbildung

Exkurs : Humus bietet Nährstoff für den Bergwald und Halt für die Wurzeln der Bäume.

Eine starke Humusauflage kann wie ein Schwamm Regen aufsaugen und schützt vor Hochwasser, Muren und Erosion. Jedes Pflanzenteil ist gespeichertes CO2, man kann grob sagen, dass die Hälfte der Pflanzenmasse Kohlenstoff ist,

und dieser zu 100 Prozent aus der Atmosphäre stammt.

Wenn Pflanzenmasse zu Humus wird, wird ein Teil wieder in CO2 umgewandelt.

Der nicht umgewandelte Teil bleibt gebunden im Boden, mit unterschiedlicher Dauer.

Manche haben eine kurze Umwandlungszeit von wenigen Jahren,

bei anderen kann sie bis zu hundert Jahren betragen. Umso stabiler der Kohlenstoff im Boden gebunden ist, umso länger und effizienter ist die CO2 Speicherung.

Hier bei uns in der Region haben wir nur eine Humusstärke von wenigen Zentimetern, danach meist reiner Sand oder Kies.

Guter Mutterboden ist also im gesamten Tal Mangelware.

Also selbst herstellen oder Kaufen.

Da wir " Scheiß-reich " sind, kompostieren wir unseren Hundekot.

Aber auch hier mußten wir alles neu lernen.

Es gibt keine Regenwürmer als Komposthelfer und die Mikroorganismen

arbeiten nur zwei Monate , dann ist es ihnen wieder zu kalt.

Wir mischen den Kot meist mit altem Stroh aus den Hundehütten und bringen ihn in Gittern zur Umwandlung. Alllerdings braucht es lange.

Eine vergleichbare Menge brauchte im Allgäu ein Jahr, hier brauchen wir fünf.

 

 Der Hundeauslauf ist mittlerweile leider ohne Humusschicht, deshalb laufen Versuche der Flächenkompostierung mit allen Arten von organischem Abfall,

um ihn wieder ins Lebendige zu bringen.

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